Marianne Athenstaedt, geboren 1925 in München, Diplom-Chemikerin im Ruhestand. Gymnasium, Arbeitsdienst, Ausbombung, Evakuierung, Kriegshilfsdienst, Rückführung nach München; das Studium an der Ludwig-Maximilians-Universität zog sich über 12 Jahre hin, da sie es völlig selbst finanzieren musste - was sie nicht missen möchte: Das war schwierig und teilweise schwer, lehrte sie aber Erfahrungen, „die man mit Gold nicht aufwiegen kann“ und führte auch oft zu wunderbaren menschlichen Erlebnissen.
Als sie 34 war, musste sie mit ihrem Mann nach Bremen übersiedeln, wo das altehrwürdige pharmazeutische Familienunternehmen auf den Nachfolger wartete. Die beiden Chemiker vermissten die geliebten Berge...
Gemeinsame Reisen führten das Ehepaar stets gen Osten, zunächst viele Male in das alte Yugoslavien. Die Ferne tat sich ihnen erst 1975 mit Sri Lanka auf, das damals noch Ceylon hiess; es folgten China und für Frau Athenstaedt allein Russland, Mongolei, Bhutan, Pakistan, Indien.
1979 kam sie zum ersten Mal nach Ladakh. 1992 nach Eintritt in den „Ruhestand“ kehrte sie in den indischen Himalaya zurück und blieb in dem ehemaligen Königreich Zanskar „hängen“. Jedes Jahr lebte sie einige Monate in der kargen, durch hohe Berge von der übrigen Welt abgeriegelten Gegend in menschenfeindlicher Natur mit den buddhistischen Einwohnern. Sogar einen ganzen Winter lebte sie mit ihren Freunden.
Sie hatte schnell erkannt, dass die liebenswerten Leute in ihrer Isolation zwar ihre Kultur und ein beispielhaftes Sozialverhalten bewahren konnten, die Jugend mangels guter Schulen jedoch keine Zukunft hat. So werden viele Kinder für eine bessere Ausbildung „nach draussen“ geschickt, wo sie die modernere Zeit kennen lernen und schnell zu der Ansicht kommen, dass das Leben wohl überall einfacher ist als in Zanskar. Die Gefahr der Entvölkerung droht und damit der Untergang einer beachtlichen Kultur.
Aus diesem Grund reiste Marianne Athenstaedt bis 2002 jährlich nach Zanskar um mit dem Bau einer Schule zu helfen und gründete im Jahr 2000 in ehrendem Gedenken an ihren verstorbenen Mann die gemeinnützige Reinhard und Marianne Athenstaedt-Stiftung. Zur Aufbesserung der finanziellen Mittel brachte sie ein Bildbändchen „Ladakh - Zanskar, Menschen und ihre Welt im Himalaya“ im Eigenverlag heraus. Der Erlös ging ungekürzt an die Zanskar-Selbsthilfe, da alle Helfer der Stiftung ehrenamtlich tätig sind und Verwaltungs-, Reise- u.a. Ausgaben privat trugen. Mit ihrem unermüdlichen Einsatz und ihrer aussergewöhnlichen Person konnte sie viele Menschen motivieren, sich für Zanskar zu engagieren. Mit Dia-Erzählungen und Vorträgen informierte Marianne Athenstaedt über die Tätigkeit ihrer Stiftung. Mit grosser Freude schrieb sie selbst die Texte für diesen Internettauftritt.
Am 12. Mai 2004 hat sich Marianne Athenstaedt vor einer geplanten Dia-Erzählung über ihr geliebtes Zanskar zu einer kurzen Erholung niedergelegt. Von diesem Schlaf ist sie nicht mehr aufgewacht.
Die Mitglieder der Stiftung und Freunde setzen ihre Arbeit fort. In ihrem Sinne helfen wir den Zanskaris weiter.