Monster
Grenz-Lhato
Keksopfer-Ladse
Steinbockhorn-Lhato
Maskentanz (Klosterfest Karsha)
Na klar! Gute und böse, sie sind überall und man tut gut daran, sich auf sie einzustellen.
So findet man fast immer an wichtigen Stellen Lhato's oder Ladse's, das sind geregelt aufgebaute bzw. schlampig aufgetürmte Steinhaufen, oben mit einem Stecken für Gebetswimpel. Die Steine sind oft weiss angemalt, um die guten Dämonen zum Verweilen einzuladen, oder rot, um die schlechten abzuwimmeln.
Vorsichtsweise ist ein kleines Opfer an diesen Orten zu empfehlen - man weiss ja nie! Gebetswimpel sind natürlich optimal, aber ein Keks tut's auch, oder ein schöner Stein, davon liegen ja immer genug 'rum.
Die Dämonen im tibetischen Buddhismus (Tantrismus) stammen aus der animistischen Bön-Religion, die (zurückgehend auf den historisch belegten Padmasambhava) ab dem 8.Jh.n.Ch. mit dem ursprünglichen Buddhismus verschmolzen wurde.
Gut gegen böse Dämonen sind Wacholder, der gern verräuchert wird und den man manchmal auch auf den Flachdächern sieht, und Steinbock-Hörner, die mit buddhistischer Toleranz auch auf Lhato's geduldet werden.
Welche Dämonen sind gut, welche schlecht? Das lernt man z.B. bei den Maskentänzen der jährlichen Klosterfeste, wozu die verschiedensten Interpretationen erzählt werden.
Beispiel:
Einer der Maskentänze soll u.a. dazu dienen, den Lebenden zu zeigen, wie die guten und wie die bösen Dämonen aussehen - in der Hoffnung, dass sich die Seele daran erinnert, wenn sie nach dem Tod durch die 49 Tage des Bardo (= Zeitreise der Seele zwischen Tod und Wiedergeburt) wandert: Auf diesem Weg begegnen ihr gute und schlechte Dämonen, und alle wollen die Seele an sich binden. Da ist es gut, die schlechten und die guten unterscheiden zu können!
Jeden Morgen geht jemand mit einem qualmenden Räuchergefäss durch jeden Raum von Haus und Hof, um böse Dämonen zu vertreiben, die sich vielleicht klammheimlich über Nacht eingeschlichen haben.
Als ich einmal zwei Zanskari bei mir zu Gast hatte, machte dieser Freund drei Monate lang das Gleiche und im Stillen war ich am Bibbern, wenn er mit seiner glimmenden Schale auch die Dämonen unter den Betten austrieb - „zündet mir bloss nicht das Haus an!”
Dämonen müssen auch gepflegt werden.Wenn z.B. Alkohol genossen wird, schnippst man vor dem ersten Schluck etwas davon in die Luft - die guten Dämonen sollen ja schliesslich auch 'was haben! Ob die bösen damit zufrieden sind oder Alkohol nicht mögen, weiss ich nicht.