Es beginnt am sehr frühen Morgen mit dem “Early morning tea”, ein wie bei uns zubereiteter schwarzer Tee, den sie “Lipton-Tea” nennen.
Gefrühstückt wird so um 9 Uhr herum, es gibt Chapati (dünne Fladen aus Mehl und Wasser), die auf dem Ofen ohne Fett nur „gargetrocknet“ werden; dazu Yoghurt; Gäste bekommen ein Rührei und evtl. aus Leh importierte Marmelade.
Putit backt “bread”
Yoghurt-Essen
Mittagessen frühestens gegen 2 Uhr:
Am weitesten verbreitet ist Tsampa, der mit den Fingern mit Yoghurt oder Buttertee verknetet wird, manchmal auch mit Chang.
Beliebt ist Thukpa, eine Suppe mit selbstgemachten Teigwaren und etwas Gemüse, sofern der eigene Garten schon etwas hergibt oder auf dem Markt etwas zu finden war. Ganz langsam wurde mit dem Anbau von Kartoffeln begonnen, die die Zanskaris inzwischen auch als Gemüse schätzen, nicht als Grundnahrungsmittel.
In der Suppe wird manchmal „Käse“ mitgekocht, der mit unserem Käse aber nur gemein hat, dass er ebenfalls aus Milch gemacht wird, und zwar so:
Die beim Ausbuttern entstandene Molke wird so lange gekocht, bis die enthaltenen Eiweissanteile sich in Flocken abscheiden; sie werden isoliert und getrocknet. Das Endprodukt sind grau-weisse steinharte und übel riechende Krümel, die auch bei längstem Kochen bestenfalls auf lederartig zu quälen sind und den Geschmack guter Suppen ungut beeinträchtigen.
Immerhin - dieser „Käse“ ist ein nicht unwichtiger Eiweisslieferant und als Geschenk stets willkommen.
Fleisch wird selten serviert, weil zu teuer (schlachten dürfen sie als Buddhisten sowieso nicht, das machen Muslime), ist aber hochbegehrt. Dabei kommt ausschliesslich “Mutton” in Frage, worunter sowohl Ziege wie Schaf jeden Alters und Geschlechts zu verstehen ist.
Gerne werden Skyu’s und andere kunstvoll gedrehte Mehlteigprodukte gegessen, ebenso wie „Momo’s“, für die sie schwärmen. Das sind mit Hammelfleisch oder Gemüse gefüllte Teigtaschen, im Dampf gegart, wie sie in Varianten eigentlich in ganz Asien (und nicht nur dort) zu finden sind.
Eine für mich schreckliche Erfindung ist der von ihnen heissgeliebte „Paba“. Das ist ein schnittfähiger Brei aus Tsampa; wenn er grau und relativ trocken ist, gehts ja noch. Wenn er aber kohlschwarz ist und vor Butter trieft, ist für uns heftiger Durchfall vorprogrammiert ...
Reis ist mehr bei der jüngeren Generation beliebt, für die Älteren ist das ungewohnt und ein teurer moderner Import aus dem seit 1834 indischen „Mutterland“. Er ist aber billiger als Feuerholz, das ebenfalls kg-weise auf dem Government-Markt verkauft wird und aus Kargil herangeschafft werden muss.
Öfen werden fast nur mit getrocknetem Mist befeuert. Oberhitze ist nicht vorhanden und damit haben sie keine Vorstellung von etwas wie unserem Brot oder gar Kuchen.
Rezepte für ‘was Süsses fehlen völlig - Zucker wird ja auch erst seit nicht so langer Zeit aus dem indischen Tiefland eingeführt.
„Salat“ besteht nur aus geschnittenem Gemüse, dass wir da etwas Saures erwarten ist verwunderlich, Essig ist im heimischen Wortschatz nicht enthalten, nur “vinegar” und den findet man in Padum sowieso nicht.
Was fast völlig fehlt, ist Vitamin C und ich habe mich oft gefragt, ob wir Westler eigentlich überall Gültiges über eine „richtige“ Ernährung lernen. Bei den Zanskari’s ist alles anders und dabei sind sie viel gesünder als wir!
Erst etwa um 9 Uhr am Abend fangen sie für das Diner zu kochen an - es ist also zu empfehlen, immer ein paar Kekse greifbar zu haben für den langen „Nachmittag“! Die Gerichte sind dann nach dem gleichen Muster wie der mittägliche Lunch.
Putit macht Buttertee
Buttertee ist eines der wichtigsten und das am meisten verbreitete Hauptnahrungsmittel im ganzen Himalaya und wird täglich in grossen Mengen zu jeder Zeit getrunken. Damit ist die dort oben so nötige Zufuhr von Wasser (je 1000 m Höhenzunahme soll der Mensch einen Liter Wasser mehr pro Tag trinken) sowie von Salz und Fett gesichert.
Buttertee wird bereitet aus normalem schwarzem Tee, den man mit etwas Salz in ein hohes Holzfass füllt und mit Butter versetzt. Das ganze wird mit einer Lochscheibe an langem Stab kräftig zu einer stabilen Emulsion geschlagen, die bei Verwendung „frischer“ Butter gar nicht so schlecht schmeckt (ähnlich einer würzigen Maggi-Fleischbrühe!). Die Kalamität geht erst los, wenn die Butter muffig oder gar ranzig war...
Wenn Ladakhi und Zanskari sich zu einer grossen Puja (Andacht) oder einem Fest aufmachen, stecken sie immer ein Schälchen in ihre Goncha (mantelartiges Kleidungsstück), weil dann meistens jemand mit einer grossen Kanne Buttertee ‘rumgeht.
Nachmachen! Wer kein Schälchen dabei hat, geht leer aus.
Das absolut wichtigste Grundnahrungsmittel ist Tsampa: Gerste wird möglichst gleich nach der Ernte geröstet und danach erst gemahlen, womit eine weitere Erhitzung eingespart wird. Das Mehl wird am Tisch mit den Fingern verknetet mit Yoghurt, Buttertee oder auch Chang. Tsampa steht in schönen Holzdosen auf dem Tisch, wenn Gäste kommen und ist auch als Geschenk beliebt.
Chang-Party
Chang braut jeder Hof nach eigenem Rezept, wird aus Gerste gemacht und uns als „tibetisches Bier“ vorgestellt, obwohl es keinen Hopfen enthält. Es schmeckt wie Federweisser und wirkt auch so. Sie trinken ihn viel zuviel, an Festen waschkesselweise ...
Es wird aber behauptet und ist auch möglich, dass er Vitamin C enthält - na dann ist er halt auch Medizin. Prost!
Zugestanden: Wenn man in Zanskar monatelang mit den Freunden lebt, kommen einem schon ‘mal Halluzinationen: Da schwebt dann eine Salamiwurst oder eine Schokoladentorte vor Augen, und ach wie herrlich wär ‘mal ein gut gemachter saurer Salat!