Reinhard und Marianne Athenstaedt-Stiftung

Grünlandgewinnung
Grünlandgewinnung

Sommergerste Napal
Sommergerste Napal

Herbstgerste Padum
Herbstgerste Padum

Blauer Himalaya-Mohn
Blauer Himalaya-Mohn

Schneeleoparden-Babies
Schneeleoparden-Babies

Dreschen mit Yak
Dreschen mit Yak

Windsichten
Windsichten

Blick von Tongde in den Zanskarkessel
Blick von Tongde in den Zanskarkessel

“Irrigation”
Irrigation

Blauer Wasserspeicher
Blauer Wasserspeicher

Fotu La in Eis und Schnee
Fotu La in Eis und Schnee

Pipiting im Tiefschnee
Pipiting im Tiefschnee

Die Vegetationsperiode ist kurz. Wenn's gut geht, bringen die Bauern bereits im März den Mist auf die noch verschneiten Felder, dessen Schwärze die Sonnenwärme hält und den Schnee schneller abtauen lässt.

Überall im Land sieht man vereinzelt und manchmal recht hoch oben mitten in felsigen Steinwüsten einen grünen Flecken: Da haben sie wieder 'mal Wasser von einem der vielen Gletscherbachl über eines der üblichen Kanälchen hingeleitet, eine Mauer drum 'rum gegen „die Viecher“ - schon wird's grün!

In Zanskar (Ladakh ist da viel weiter entwickelt) wird vor allem das Hauptnahrungsmittel Gerste angebaut, deren Ernte immer gesichert ist, ebenso Erbsen und etwas Senf als ÖIlieferant. Schlechter schaut's bei Weizen aus, der später reif wird; das ist dann immer ein Wettlauf mit der Zeit, schon oft hat früher Schnee grosse Teile der Ernte vernichtet. Der Gemüseanbau beschränkt sich auf grosse runde weisse Rüben (=Turnip, sehr gut!) und Weisskraut; manchmal gelingen auch gelbe Rüben und selten Zwiebeln. Kartoffeln bürgern sich nur langsam ein und sind keineswegs Grundnahrungsmittel, sondern kostbares Gemüse. Grüne Salatsorten sind unbekannt.
„Spinat”?: Einmal sah ich einen völlig verwahrlosten Garten und wollte das Unkraut jäten - was ich gottseidank angekündigt habe. Sie waren ganz entsetzt, „das kann man doch alles essen!“

Obst gibt's nicht. Jemand hat sich 'mal zwei Apfelbäumchen besorgt, die haben nur zwei Winter überstanden.

Zur Konservierung der Gemüse, aber auch der gelben AImbutter graben sie ein tiefes Loch, wo sich das alles gut über den Winter hält. Fleisch wird getrocknet (Fäulnis oder Schimmel ist nirgends zu finden in diesen trockenen Höhen).

In Zanskar gibt es so gut wie keine Bäume. Weiden kommen durch, wenn man besonders die jungen Pflanzen gut wässern kann. Die indische Regierung versucht sich immer wieder in ummauerten Weidenschonungen, meistens kommen nur 10-20 % der Pflanzen durch. In Ladakh sieht man viele Pappeln, in Zanskar kaum eine. Dagegen wächst viel Sanddorn-Gesträuch, hoch oben auch Wacholder, der gegen die bösen Dämonen gut ist. Ganz oben kommt der seltene blaue Himalaya-„Mohn“ vor, nur im Himalaya anzutreffen, eine kostbare Heilpflanze.

Echte Yak's sind nur noch selten zu sehen; die domestizierten sind immer noch wild genug. Wenn unsereiner meint, einen Yak vor sich zu haben, handelt es sich meistens um Dhzo's, die fast genauso aussehen. Dhzo's sind Kreuzungen von Yak und Rind und viel besser zu handhaben als Yak's. Kühe werden über den Sommer auf Almen gebracht, wo sie dann die hochgeschätzte gelbe Butter liefern (Winterbutter ist weiss). Im Sommer sind auf den Höfen nur 1-2 Kühe für den Tagesbedarf an Butter zu finden.

Bienen können nicht über den Winter gebracht werden, das Gleiche gilt (nach vergeblichen Versuchen) für Hühner.

Abgelegene Höfe und Klöster halten sich gern grosse schwarze Hunde. Hier ist Vorsicht geboten! Unbedingt erst 'mal Abstand halten! Sie sind meist äusserst aggressiv und lassen sich nur vom Eigentümer entschärfen, den man errufen muss.

Bären soll's genug geben, ich habe aber noch keinen gesehen. Dagegen konnte ich junge Schneeleoparden bewundern, die auf der vergeblichen Suche nach ihrer Mutter gefunden wurden.

Die Leopardenmutter hatte ein Rind gerissen und auf die Frage, was sie denn mit der angefangen hätten, hörte ich, dass man dann eine tiefe Grube gräbt mit einem Köder (woher nehmen sie den? Buddhisten dürfen ja nicht töten!) und wenn das Raubtier 'reingefallen ist, kommt das ganze Dorf mit Steinen ... „und keiner ist's gewesen“!

Irgendwelche Landmaschinen gibt es nicht, auch keine Wagen, die vielen Pferdchen werden für die Landwirtschaft auch nicht eingesetzt, vor die Holzpflüge spannt man Rinder.

In Ladakh und Zanskar kennt man Sicheln (Sensen sind unbekannt) zum Schneiden auch des kürzesten Grases, während das Getreide mitsamt den Wurzeln ausgerissen wird. Das gibt blutige Hände, viele derbe Handschuhe habe ich schon 'raufgeschleppt, aber sie sind nie genug!

In Ladakh breiten sich jetzt immer mehr an Häuser angebaute Gewächshäuser („Greenhouse”) aus, in Zanskar sind sie noch sehr selten. Wasser haben sie genug in Zanskar, aber leider meist nicht dort, wo es gebraucht wird: Die Schmelzwässer der Gletscher fliessen ungeregelt ins Tal, müssen eingefangen werden und so kommt es, dass man in Zanskar ständig über Tausende von kleinen nur in die Erde gegrabenen Kanälchen springen muss, in denen das kostbare Nass an die Felder geleitet wird. Manchmal findet man einen aufgeschütteten Hügel mit einer tiefen Mulde, die sich über Nacht mit zugeleitetem Wasser füllt und tagsüber verschiedene Felder speist. Das Ganze nennt sich „Irrigation” und ist streng geregelt, damit auch jeder 'was abbekommt. Wo man also heute über ein Kanälchen springen musste, ist das nach Stunden vielleicht schon wieder trocken! Die wenigen Bäche, die zu Tal rauschen, treiben die Mühlen an.

Das Klima ist sehr trocken, ändert sich aber auch hier: Während sich der vom Süden kommende Monsun an den Hängen des Himalaya normalerweise abregnet, kippt er seit einigen Jahren über die hohen Gipfel hinweg und es gibt dann auch in Zanskar schlimmen Regen, dem die aus ungebranntem Lehm gebauten Häuser nicht gewachsen sind und so manches Mal zusammenfallen oder abrutschen. Im Winter sind die Zanskari völlig abgeschnitten von der übrigen Welt. Der Schnee regiert, und der Frost. In den Nächten wird es bis zu -40°C kalt, tagsüber wärmt sich's im sonnendurchstrahlten Zanskar natürlich erheblich auf. Man wohnt dann im Souterrain, wo -17°C gemessen wurden und nur in der Küche kommt es durch's Kochen zu gemütlichen -3°C!

So ab Ende Dezember etwa friert selbst der reissende Zanskar-Fluss von den den Rändern her soweit zu, dass man darauf 'gen Norden in Richtung Indus schlittern kann. Sie nennen das „Chadderway”= Wandern in Gruppen tagelang mit Nächtigungen unter Felsvorsprüngen nach Ladakh. Die Zanskari machen das natürlich nur, wenn's wirklich unbedingt sein muss ...

Im Sommer schwanken die Temperaturen zwischen ~12°C morgens und abends, während es am Mittag mörderisch heiss werden kann: Bis 48°C habe ich gemessen - in der Sonne, denn wo ist schon Schatten zu finden in dem weiten baumlosen Kessel von Zanskar!

Zanskar ohne täglichen Wind ist nicht Zanskar. Er kommt so etwa um 10h, kann mittags einige Stunden zum Sturm anwachsen und ist häufig mit Sand geschwängert. Erst nachmittags geht der Spuk langsam vorbei.

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