REISEBERICHT

Bericht zum 3. „Dental Camp“ in Zanskar 2017

von Dr. Marianne Prien

Vom 21.6.-4.7. 2017 fand zum dritten Mal ein zweiwöchiges „Dental Camp“ an der SECPAD-Schule in Karsha/Yulsum (Zanskar, im indischen Bundesstaat Jammu & Kashmir) statt.

Das Team bestand aus zwei Zahnärztinnen (Dr.. Marianne Prien und Dr. Silvia Schad), zwei Zahntechnikern (Carolin Schulenburg und Anton Böning) in der Assistenz, sowie einem weiteren Unterstützer (Gerd Prien) für technischen Support (Bereitstellung der Stromversorgung, Wartung und Reparatur benötigter Geräte) und Sterilisation der Instrumente.

Durch die Erfahrungen der Projekte der Jahre 2014 und 2015 konnte die Rüstzeit (Einrichtung der Behandlungsplätze, Aufbau von Steri und Zubehör) auf wenige Stunden reduziert werden.
Bereits am ersten Tag fanden neben der Erstuntersuchung der unteren Schulklassen Behandlungen von „Schmerzpatienten“ statt.

Der Ablauf gestaltete sich folgendermaßen:
Unterstützt von der jungen Lehrerin Stanzin Wangmo (mit Zusatz-Ausbildung in der „Nursing-School“) informierte Carolin die Kinder klassenweise und altersgerecht über Notwendigkeit und Durchführung der Mundhygiene.
Es folgten praktische Übungen mit den frisch verteilten Zahnbürsten und Zahnpasta unter freiem Himmel (am „Waschplatz“, wo sich die Kinder auch sonst waschen und Zähne putzen).
Anschließend wurden Färbetabletten verteilt, die Kinder konnten zunächst selber den Erfolg ihrer Bemühungen kontrollieren, zu diesem Zweck hatten wir mehrere Handspiegel besorgt. Abschließend machten Carolin und Wangmo auf defizitäre Bereiche aufmerksam und gaben weitere Tipps zur Putztechnik.
Im Behandlungsraum fand die Befundaufnahme durch die ZÄ statt, wobei versucht wurde, eine Priorität der notwendigen Behandlungen je Patient festzustellen.

Es zeigte sich erwartungsgemäß ein immenser Behandlungsbedarf in den unteren Vorschulklassen (Kinder von 4-6 Jahren), bereits in dieser Altersgruppe sieht man häufig zerstörte Milchmolaren, die nicht erhaltungsfähig sind.
Mit zunehmendem Alter der Kinder stieg die Zahl der Kinder pro Schulklasse, die aktuell keine Behandlung benötigten.
Erfreulicherweise waren die von uns in den vergangenen Jahren gelegten Füllungen zum großen Teil in befriedigendem Zustand.
Statistische Auswertungen liegen noch nicht vor, aber verglichen mit den Untersuchungen der Jahre 2014 und 2015 ist doch ein deutlicher Kariesrückgang bei den Schulkindern ab Klasse 2 zu verzeichnen.
Selbstverständlich gibt es auch in den höheren Klassen nach wie vor Defizite in der Mundhygiene aber auch hier ist eine Verbesserung deutlich sichtbar.
Mit dem Hinweis auf diese verbesserte Situation wurden die Kinder und Jugendlichen motiviert, an die Erfolge anzuknüpfen.

Neben den eigentlichen Mundhygieneaufklärungen fand an zwei Tagen für die Schulkinder ein besonderer Unterricht durch Fr. Dr. Prien über Kariesentstehung und Ernährung statt.
Da wir das (häufig kariogene) Nahrungsangebot nicht grundlegend in Frage stellen können, wurden den Kindern praktisch umsetzbare Tipps zu Verhaltensänderungen vermittelt, bspw. Zeitpunkt der Mundhygiene, Vermeidung von zuckerhaltigen Getränken („Milktea“) zwischen den Hauptmahlzeiten etc.

An jedem der 14 Tage unseres Aufenthalts wurde behandelt (Sa. und So. nur an halben Tagen). Nach einer Woche war jedes der ca 140 Schulkinder mindestens einmal im „Treatment“ gewesen, wobei in bestimmten Fällen auch mehrere Zähne pro Sitzung behandelt wurden.
Eine zweite und dritte „Runde“ schlossen sich an, komplette Sanierung aller kariösen und zerstörten Zähne war aber trotzdem nicht möglich in den unteren Klassen.
Schwerpunkte waren der Erhalt von 2. Milchmolaren und bleibenden Zähne sowie Ausgleichsextraktion von kariösen 1. Molaren, wenn gegenüberliegende Molaren bereits fehlten oder ebenfalls zerstört waren. Wie bereits im vergangenen Einsatz wurden etliche konfektionierte Stahlkronen zementiert.

Täglich suchten uns viele zusätzliche Patienten auf aus umliegenden Dörfern und Klöstern, die selbstverständlich nicht abgewiesen wurden.

Zum Abschluss unseres Einsatzes konnten wir feststellen, dass die Dankbarkeit der behandelten Patienten und die sichtbaren Erfolge der Bemühungen der vergangenen Jahre uns stark motivierten, die Einsätze an der SECPAD-Schule und die Zusammenarbeit mit der Athenstaedt-Stiftung fortzusetzen.

Hannover, den 14.07.2017

Dr. Marianne Prien
Sievertstr. 15
30625 Hannover
0511/558274
mp@nordzahn.de

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