REISEBERICHT

Bericht über den Besuch der SECPAD School in 2019 durch Evelyn Reuter und Uta Pursche

von Evelyn Reuter und Uta Pursche

Wir haben die SECPAD School in Ladakh / Zanskar vom 17.07. bis 8.08.2019 besucht.

In Leh der Hauptstadt von Ladakh sind wir am 18.07.2019 angekommen.

Das Stadtbild von Leh hat sich seit unserem letzten Besuch sehr verändert. Besonders aufgefallen sind uns die riesigen neu gebauten Hotels. Obwohl die Stadt massive Wasser- und Energieprobleme hat sind diese zu unser beider Unverständnis genehmigt und gebaut worden.

Die Zunahme der motorisierten Mobilität hat auch vor Leh nicht haltgemacht. Die Kolonnen von Motorädern und neuen Autos nahmen uns sprichwörtlich die Luft zum Atmen. In diesen abgasgetränkten Nebeln war es eine Herausforderung die Straße unbeschadet zu überqueren. Man musste verteufelt aufpassen!

Außer uns beiden waren nur wenige europäische Touristen zu sehen. Dies war sicherlich in der Unsicherheit des latent schwelenden Kashmirkonfliktes begründet.

Wie immer fanden wir Unterschlupf im Jigmet Guesthouse. Das Wiedersehen nach langer Zeit hat uns und unsere Gastgeber sehr gefreut.

Nachdem wir uns ein wenig akklimatisiert haben, gehen wir mit Wangchuk, dem Sohn von Mr. Namgyal, für die Schule einkaufen.

Mr. Sharma, unser Schuldirektor, schrieb uns was für die Schule und das Hostel benötigt wird:

  • Federmäppchen
  • Buntstifte und Bleistifte, Radiergummis, Anschärfer für die Schüler bis zur 4. Klasse
  • Gelstifte für die oberen Klassen
  • Hefte
  • Bonbons
  • Zahnbürsten und Zahnpasta
  • Unzerbrechliche bunte Tassen für die Hostelkinder außen Plastik innen Metall
  • 26 m Vorhangstoff für die großen Fenster des Hostels (die Gardinen werden von den Schneidermädels genäht)
  • Thermoskannen aus Metall für die Lehrer
  • Trinkflaschen für die Angestellten und die Schneidermeisterinnen

Wir ließen die Einkäufe ins Jigmet liefern. Dort hatten wir die Möglichkeit, alles zusammen zu stellen. Um die Müllbelastung für Zanskar möglichst gering zu halten, entfernten wir alle nicht notwendigen Verpackungen. Der Müll wird in Leh vom Gouvernement zentral abgeholt. Überall steht „Keep Ladakh clean“. Der Umweltschutz kommt auch dort immer mehr ins Bewusstsein. Wie der Müll in Leh im Endeffekt entsorgt wird, haben wir nicht in Erfahrung bringen können.

Am 25.07.19 fuhren wir in Richtung Zanskar.

Der erste Stopp war in Khalsi und die erste Übernachtung in Muhlbeck in einem Guesthouse. Abfahrt am nächsten Tag um 8 Uhr. Wangchuk bekam die Information, dass die Straße nach Padum unter Wasser steht. Wir fuhren zügig nach Kargil um Genaueres zu erfahren. Dann war klar, dass die Straße passierbar ist und es ging weiter nach Rangdum. Insgesamt eine katastrophale Straße. Es rumpelte gewaltig, Bäche mussten durchfahren werden. Wir rechneten jeden Moment damit im Wasser stecken zu bleiben. Straßensperren, Reparaturarbeiten, wir umfuhren Baustellen und kamen an ein nächstes Hindernis, einen umgestürzten Armeelaster. Mit Hilfe von Soldaten und Truckfahrern gelang es, unser Auto an der Unfallstelle vorbei zu schieben.

Start nach Padum am Samstag 27.07.2019. Es fand ein Fahrerwechsel statt. Wangchuk und sein Freund gingen nach Leh zurück und der Schwiegersohn von Mr. Namgyal, Stanzin Sandup fuhr uns nach Pikongma. Mr. Sandup ist der neue Buchhalter der SECPAD. Er ist ein angenehmer, ruhiger Mann.

Die Straße war weiterhin eine Katastrophe. Wir hatten den Eindruck, dass sie ist noch schlechter und länger geworden ist.

Etwas sehr Positives gab es aber auf der Strecke. Es ist wie ein Wunder, eine private indische Firma legt ein Internetkabel von Kargil nach Padum. Im nächsten Jahr soll das Projekt fertig sein. Überall im Gebirge waren Gräben mit Kabeln zu sehen! Kaum zu glauben. Es bleibt zu hoffen, dass das Internet auch zum Einsatz kommt. Die Kommunikation zwischen Zanskar und dem Rest der Welt war seit über einem Jahr massiv gestört. Wir vermuteten, dass die indische Regierung das Internet wegen des Konfliktes entweder abschaltet oder zumindest stört. Das ist auch für unsere Arbeit eine ständige Belastung.

Wir kamen in Pikongma, dem Hof von Mr. Namgyal, gegen 17 Uhr an. Das Wiedersehen war von großer Freude geprägt. Wir richteten Grüße vom Gremium, dem Zahnärzteteam, allen Paten und Freunden aus.

Am Sonntag führten wir Gespräche mit Mr. Namgyal in Pikongma über die allgemeine Situation in der Schule und im Hostel. Die Schule läuft es bis heute sehr gut und im Hostel gibt es auch keine Probleme.

Leider hatte Mr. Namgyal seit über einem Jahr keinen Erfolg mit der Genehmigung für die 9. und 10.Klasse. Die indischen Behörden hatten zuerst wegen der anstehenden Parlamentswahlen keine Entscheidung treffen wollen, dann wegen des Konfliktes in Kashmir. Mr. Namgyal arbeitet immer noch intensiv daran für das nächste Schuljahr die Genehmigung zu erhalten. Viele Reisen nach Srinagar, Kargil und Delhi waren bis jetzt notwendig. Es bedeutet für ihn immer eine 10stündige Fahrt über diese schon beschriebene, anstrengende Straße Padum – Kargil. Großen Respekt für diese Leistung.

Das Audit der Schule und des Hostels fand am darauffolgenden Tag statt. Es lernen 161 Schüler an der Schule. Fast alle Schüler waren anwesend. Aus dem Kindergarten fehlten 4 Kinder, die die Schule verlassen haben. Ein Mädchen liegt gerade mit einem gebrochenen Arm im Krankenhaus.

Die Klassenräume für die 1.-8. Klasse und den Kindergarten waren in bester Ordnung. Sauber, gemalert und die Bänke in gutem Zustand. In allen Klassenzimmern gab es elektrisches Licht und Steckdosen. Es sah alles ordentlich aus.

Im Lehrerzimmer waren immer noch die Batterien der Solaranlage aufgestellt. Es ist geplant sie in einem neuen Raum unterzubringen, der im nächsten Jahr gebaut wird.

Das alte naturwissenschaftliche Labor und die Bibliothek waren gut organisiert.

Die alte Schulküche war in ordentlichem Zustand.

Die Vorräte für das Schulessen lagerten im Hostel und im zweiten Teil des Kioskes.

Das Hostel war in exzellentem Zustand, sauber, aufgeräumt, kein Schimmel oder sonstiger Schmutz. Es wird ein weiterer Schlafraum gebaut. Insgesamt sind es jetzt 7 Zimmer. Auf dem Flur waren neue Schränke für die Toilettenartikel und Schuhe.

Ein Highlight war die Hostelküche. Sie war blitzsauber und ordentlich gefliest. Der neu eingestellte Koch macht seinen Job sehr gut.

Die Vorratsräume und die Sanitärräume waren in gutem Zustand.

Wir waren begeistert von den neuen Gebäuden. Der Schulanbau für die 9. und 10. Klasse ist in diesem Jahr mit Mitteln der Athenstaedt-Stiftung und finanzieller Hilfe der Schmitz-Stiftung möglich geworden. Diese Stiftung fördert Kleinprojekte in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).

Es wurden zwei Klassenräume, ein Computerkabinett mit 8 Computern und ein Laboratorium für Naturwissenschaften gebaut. Wir trafen Computerspezialisten aus Dharamsala auf dem Schulgelände. Sie hatten den Auftrag ein lokales WLAN im Auftrag des Klosters Karsha für die Gegend zu installieren. Die jungen Leute halfen auch unentgeltlich die Computer der Schule einzurichten.

Die neu gebaute Halle ist für Veranstaltungen, das Schreiben der Prüfungen und die Einnahme des Mittagessens vorgesehen. Integriert sind eine Küche und ein Vorratsraum. Dieses Projekt war mit Hilfe von einheimischen Sponsoren und Helfern entstanden.

Wir haben große Hochachtung vor der Leistung von Mr. Namgyal für die Planung und Organisation und der Arbeit der Bauleute!

Der Warmwasserbereiter auf dem Dach der Waschräume wurde abgebaut und sollte eigentlich schon ersetzt sein. Liefer- und Transportschwierigkeiten wurden angegeben. Der Ersatz soll aber noch in dieser Saison geliefert werden.

Der Medizinraum war in gutem sauberem Zustand. Der Raum neben dem Medizinraum wurde als Lager für die Winterbetten und als Spielraum für die kleinen Hostelkinder genutzt.

Es gab auch in diesem Jahr Probleme mit nächtlichen Besuchen von Braunbären. Sie versuchen in die Vorratsräume und Schulküchen einzubrechen und sich so ihr Futter zu verschaffen. Die Türen und Fenster wurden daraufhin mit Metallgittern gesichert.

Aufgrund der „Bärenproblematik“ ist die abendliche Benutzung der außerhalb des Gebäudes liegenden Toiletten für die Kinder des Hostels mit Ängsten verbunden. Wir schlugen vor Toiletten ins Hostel zu bauen. Es gibt aber hygienische Bedenken. Zur Lösung des Problems wird das Gelände gesichert. Höhere Mauern mit Glasstücken sollen die Kinder und Lehrer schützen.

Das Fotografieren der Kinder für die Paten findet im Gebetsraum statt. Es war unglaublich heiß und Außenaufnahmen wären für die Kinder und uns eine Zumutung. Wieder einmal haben die Lehrer den Tag sehr gut organisiert. Wir waren aber auch gut vorbereitet, alle Geschenke waren schon klassenweise sortiert. Die Geschenkübergabe sorgte für viel Freude.

Das alljährliche Function Event war eine sehr gelungene, schöne Veranstaltung.

Es wurden Ansprachen von Mr. Namgyal, einem hohen Lama und einem Verantwortlichen des Distrikts gehalten. Wir übermittelten in unserer Rede die Grüße von allen Gremiumsmitgliedern, dem Zahnärzteteam, den Paten und Spendern und würdigten die Leistungen der SECPAD, der Lehrerschaft und der Angestellten. Für den Lerneifer der Schüler bedankten wir uns besonders.

Tänze, Yogavorführungen und ein kleines Theaterstück, bei dem es um den Umweltschutz ging, machten allen Zuschauern Freude.

Zu unserer Freude waren auch viele Absolventen der SECPAD Schule aus den letzten Jahren anwesend. Alle haben einen guten Job und arbeiten jetzt in Delhi, Jammu, Srinagar, Kargil oder Padum. Sie halfen bei der Organisation der Function und führten Tänze vor. Anschließend veranstalteten die „Ehemaligen“ ein Klassentreffen und feierten bis in den späten Abend. So viele Absolventen zu treffen, war wirklich sehr beeindruckend.

Am nächsten Tag besichtigten wir das Vocational Trainings Center (VTC). Es war in keinem guten Zustand. Wie schon mit Mr. Namgyal besprochen, fangen die Vorbereitungen zur Rekonstruktion im nächsten Jahr an. Ein Projektentwurf mit Bauzeichnung und Kostenvoranschlag wird von Mr. Namgyal in Auftrag gegeben.

Das Gebäude soll eine völlig neue Aufteilung bekommen. Wasserleitungen und Strom sind absolut notwendig.

Das Schneidermädelprojekt läuft gut. Es sind zwar nicht immer alle Frauen anwesend, aber das ist familiären Gegebenheiten geschuldet. Erntezeit oder Hilfe in der Familie können ein Grund für Fehltage sein. Die Frauen leisten insgesamt gute Arbeit. Spender hatten Geld für neue Trachten gegeben. Diese wurden von den Mädels genäht und sind auch sehr gut gelungen. Sie wurden nicht nur zur Function getragen, sondern auch zum Karsha Festival. Dort hatte unsere Schule eine eigene Tanzvorführung.

Ein Klempnerkurs ist für September geplant. Eine Rückmeldung über die Durchführung haben wir noch nicht bekommen.

Ein besonders schönes Erlebnis für uns war, dass wir in einem Teil des Kioskes die Strickmeisterin mit den Mädels der höheren Klassen trafen. Sie bekamen dort Unterricht im Stricken.

Am 03.08.2019 fand das Meeting mit den Mitgliedern der SECPAD statt. Mr. Sharma, Mrs. Ragni und die Handwerksmeisterinnen waren ebenfalls anwesend. Wir konnten zusammen eine positive Bilanz ziehen.

Am 04.08.2019 war unsere Abreise. Zutiefst gerührt nahmen wir von der Familie und Freunden Abschied. Stanzin Sandup und Mr. Namgyal begleiteten uns.

Wir wollten bis Kargil kommen. Kurz vor Rangdum hatten wir eine Reifenpanne. Der Zustand aller Reifen war schlecht. Gott sei Dank hat unser Fahrer einen weiteren schlechten in petto. Nach einer halben Stunde Fahrt war dann auch der zweite Reifen kaputt. Es war sehr heiß und der Rückweg nach Rangdum hätte zwei Stunden Fußmarsch bedeutet. Glück im Unglück. Unglaublich, ein Autofahrer stoppte und fragte, ob er helfen kann. Er ist allein unterwegs und hat dazu noch eine freie Ladefläche. Wir waren sehr dankbar, dass er uns ohne Wenn und Aber mitgenommen hatte.

Wir wollten eigentlich nur eine Nacht in Kargil bleiben, waren aber gezwungen zu verlängern. Wangchuk und der Taxieigner mussten sich um die Reparatur kümmern und das nahm einen Tag mehr in Anspruch.

Wir nutzen den zusätzlichen Tag in Kargil, um Mr. Namgyal zu Kacho Ahmad Khan, dem Project Direktor /CEO der KREDA (Kargil Renewable Energy Developement Agency) zu begleiten und zu unterstützen. Mr. Khan hatte die Solaranlage der Schule befürwortet, bezahlt und sie aufbauen lassen. Ein sehr netter Mensch, der mit Mr. Namgyal seit langem befreundet ist und unser Projekt unterstützt. Er versprach alles zu tun, dass der Warmwasseraufbereiter noch in dieser Saison den Schülern zur Verfügung steht. Auch für eine zusätzliche Solaranlage für das Hostel hatte er ein offenes Ohr.

Am Abend luden wir zum Verabschiedungsdinner ins Hotel. Mr. Namgyal. fuhr am nächsten Morgen mit Stanzin Sandup zurück nach Zanskar. Eigentlich wollte Mr. Namgyal nach Srinagar um für die Schulgenehmigung zu kämpfen. Es war aber an diesem Tag, auf Grund politischer Unruhen, zu gefährlich. Wangchuk und sein Freund begleiteten uns den Rest des Weges. Die Fahrt nach Leh verlief problemlos.

Am 08.08.2019 flogen wir von Leh nach Delhi.

Wir waren und sind bis heute hochzufrieden mit den Fortschritten in unserem Projekt.

Es war eine wunderbare Reise zu unseren Freunden.

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