REISEBERICHT

Vom 11. August bis 09. September 2018 besuchten Monika und Jakob Prechtl die SECPAD-School im Zanskar Valley, um die Lehrer in den naturwissenschaftlichen Fächern weiterzubilden.

von Monika und Jakob Prechtl

An der SECPAD-Schule unterrichten derzeit 13 Lehrer und es gilt für die kommenden Klassen 9 und 10 weitere Lehrkräfte entsprechender Qualifikation zu finden und anzustellen. Von den aktuell 13 Lehrern sind allerdings nur drei voll ausgebildet und die anderen zehn lediglich teilqualifiziert.

Diese mangelnde Lehrerqualifikation sind die Hauptgründe, warum die Athenstaedt-Stiftung und das Schulmanagement der SECPAD-Schule den SES um Unterstützung durch Experten für Methodik und Didaktik für eine Lehrerfortbildung insbesondere in den Naturwissenschaften gebeten haben, um:

  • Lehrer in der Methodik und Didaktik der Naturwissenschaften auszubilden,
  • sie dazu zu bringen, Kinder psychologisch zu verstehen,
  • den Kindern Lernen zu lehren,
  • Lehrer bei der Planung ihres Unterrichts auf täglicher, wöchentlicher und monatlicher Basis zu unterstützen
  • ihnen zu zeigen, wie sie ihr eigenes Lehr- und Lernmaterial entwickeln können,
  • einfache, aber anschauliche wissenschaftliche Experimente ohne ausgefeilte technische Hilfsmittel den Naturwissenschaften durchzuführen.

Die Ziele dabei sollten sein, die Art und Weise, wie Lehrer den Schülern Wissen vermitteln, zu ändern sowie den Unterricht durch Weiterbildung der Lehrer zu verbessern, um die Kreativität und geistige Unabhängigkeit der Kinder zu erhöhen. Es war die Qualität der Arbeit zu verbessern und die Produktivität und Leistung der Schule und damit ihre Wettbewerbsfähigkeit zu steigern.

Diesen Aufgaben stellten sich Monika Prechtl als langjährig erfahrene Lehrerin in den Fächern Chemie und Biologie und Jakob Prechtl, der als Maschinenbau-Ingenieur die Fächer Physik und Mathematik übernehmen sowie darüber hinaus auf technische Themen eingehen sollte wie:

  • Schultechniker in der Wartung und Instandsetzung der schuleigenen solaren Warmwasser-Aufbereitungsanlage zu schulen,
  • Schulhandwerker technisch auszubilden (z.B. in Mechanik und Klempnerei),
  • optional: Das Berufsbildungszentrums der Schule, das Jugendliche auf technische Berufe vorbereiten will, durch die Erstellung einer Pilotstudie zu unterstützen.

Monika Prechtl berichtet:

„Die Secpad School in Ladakh/ Zanskar Valley forderte eine ausgebildete Lehrkraft für naturwissenschaftliche Fächer (Biologie, Chemie, Physik) und Mathematik an um die Lehrkräfte vor Ort methodisch und didaktisch in ihren Unterrichtsplanungen und –Vorbereitungen zu unterstützen.

An der Schule werden 157 Schülerinnen und Schüler von 13 Lehrkräften unterrichtet. Ca. 60 Schülerinnen und Schüler sind dabei im Internatsbereich der Schule untergebracht. Die Schülerinnen und Schüler werden von der Kindergartenstufe (Lower-Kindergarden /Upper-Kindergarden) bis zur Jahrgangsstufe 8 unterrichtet. Die Klassenstärke schwankt zwischen 5 Schülern (8.Klasse) und 19 Schülern (UKG/3. Klasse).

Von den Lehrkräften haben lediglich drei Lehrer eine weiterführende pädagogische Ausbildung, darunter auch der Schulleiter, der eine Ausbildung in Manali (Bundesstaat Himachal Pradesh) durchlaufen hat. Alle anderen Lehrkräfte schöpfen ihr Wissen für die Unterrichtstätigkeit aus ihren eigenen schulischen Kenntnissen, welche sie nach 10- oder 12-jähriger Schulzeit erlangt haben, so dass ihnen ein thematischer Überblick über die zu unterrichtenden Lerninhalte fehlt. Darüber hinaus war ihnen eine weiterführende pädagogische Ausbildung nicht möglich.

Für diesen Einsatz an der Schule bereitete ich mich anhand von aktueller Literatur zu methodisch didaktischen Trainingseinheiten vor. (z.B. Tipps zum Stundeneinstieg)

Für die einfachen chemischen Versuche, die in den naturwissenschaftlichen Fächern möglich sind, wurden leicht zu beschaffende Materialien (Schnellverbindungssets, Flachbatterien, Teelichter) bereitgestellt. Bei der Auswahl der Experimente achtete ich darauf, dass die Materialien, die für die Experimente notwendig sind, auch vor Ort zu beschaffen sind (z. B. Essig, Seifenlauge, Backpulver).

Eine große Hilfe für die Vorbereitung des Einsatzes waren die Lehrbücher, welche von den Schülern der Secpad School verwendet werden. Diese Schulbücher stellte uns das Ehepaar Pieper bereit, das die Secpad School im Juli 2018 besuchte.

Nach unserer Ankunft in Leh verbrachten wir dort noch 3 Tage um uns an die Höhe (3500 m) anzupassen und brachen dann zu einer dreitägigen Autofahrt in das Zanskar Valley auf. Zum Teil waren die Straßen asphaltiert (NH 1), zum größten Teil jedoch nur unbefestigte Nebenstraßen.

Bei der Ankunft in der Secpad School wurden wir herzlichst von den Lehrkräften und den Internatsschülern begrüßt. Die Unterbringung erfolgte im Gästezimmer der Schule, das entsprechen nordindischer Verhältnisse ausgestattet ist.

Nach unserer Ankunft besichtigten wir die Räumlichkeiten der Secpad School und die dazu gehörenden Internatsräume. Die Klassenzimmer sind einfach und zweckmäßig ausgestattet. Sie verfügen jeweils über eine Tafel/ Whiteboard, jedoch nicht über einen Strom- oder Wasser-anschluss. In der Bibliothek der Schule ist ein „schiene lab“ untergebracht. In der Bibliothek befinden sich einige naturwissenschaftliche Unterrichtswerke zum Nachschlagen für Lehrer und Schüler. Außerdem fanden wir im „science lab“ eine umfangreiche Sammlung an physikalischen und chemische Gerätschaften vor. Diese Ausstattung stammt aus einer deutschen Schule, die vor ca. 10 Jahre aufgelöst wurde. Leider wurden diese Geräte von den Lehrern bisher kaum genutzt.

Am darauffolgenden Tag hospitierten wir in den verschieden Jahrgangsstufen bei den Lehrkräften, welche in den naturwissenschaftlichen Fächern unterrichten und entwickelten zusammen mit ihnen Unterrichtseinheiten. Dabei wurde der Schwerpunkt zunächst auf den Stundeneinstieg und auf die Zusammenfassung am Stundenende gelegt, da die Lehrkräfte sehr nahe an den Schulbüchern arbeiten und unreflektiert am Stundenende abbrechen. Außerdem entwickelten wir gemeinsam Tafelbilder, sodass die Schüler ihre Hefteinträge von der Tafel/Whiteboard übernehmen konnten.

Im Laufe der ersten Unterrichtswoche zeigte sich jedoch immer deutlicher, dass eine vorausschauende Unterrichtsplanung für die meisten Lehrkräfte schwierig ist, da ihnen die Fachkenntnisse in Biologie, Chemie oder Physik fehlen. Deshalb erweiterten wir unsere Unterstützung der Lehrkräfte an der Schule –in Absprache mit dem Schulleiter- und versuchten Fachwissen zu vermitteln. Dies war in der Kürze der Zeit nur begrenzt möglich.

Die Lehrkräfte sind überaus interessiert, motiviert und beteiligten sich engagiert an den Unterrichtsvorbereitungen. Unter diesen Überlegungen wäre eine Fortsetzung des Projektes sicher sinnvoll. Der Schwerpunkt der Aufgabenstellung für diesen Einsatz sollte zunächst auf der Wissensvermittlung in den naturwissenschaftlichen Fächern (Biologie, Chemie und Physik liegen). Zumal die Schule plant im kommenden Schuljahr ihr Angebot um die Jahrgangsstufen 9 und 10 zu erweitern. Der Anbau für die geplanten Klassen ist bereits im Entstehen.

Zusammenfassend ist fest zu stellen, dass unser Einsatz an der Secpad School als Anstoß und Ermutigung für die Lehrkräfte zu sehen ist, jedoch eine Kontinuität verlangt um bessere Ergebnisse zu erzielen.

Wir sind mit dem Schulleiter so verblieben, dass wir in den Wintermonaten in Kontakt treten werden. Im Zanskar Valley gibt es aktuell keine Verbindungen (Internet oder Telefon). Der Schulleiter Mr. Sharma wird in den Wintermonaten nach Manali zurückkehren und mit uns in Verbindung treten um uns zu informieren, welche Pläne es für das kommende Schuljahr gibt. Das Schuljahr beginnt zwar im November. Die Secpad School muss jedoch in den Wintermonaten geschlossen werden, da die Witterungsbedingungen (-300C) keinen Schulbetrieb zulassen. Ab Mai kann die Schule in der Regel wieder erreicht werden.“

Jakob Prechtl schreibt:

„Weil die Schule auf ca. 3700m Seehöhe liegt, war zunächst eine dreitägige Höhenanpassung eingeplant, die –ausgehend von Leh- mit Besichtigung der umliegenden Klöster sowie mit Einkäufen von Schulmaterial gestaltet wurde. Die anschließende dreitägige Autofahrt zur Schule mit Übernachtungen in Mulbek und Rangdum war bereits bestens organisiert, so dass wir die Landschaft genießen konnten und sich die Vorfreude auf die Schule mehr und mehr steigerte. Dort angekommen wurde uns am Samstag im Wohnheim und montags dann an der Schule ein überaus herzlicher Empfang bereitet. Untergebracht im Gästezimmer des Hostels wurden wir von Ms. Rajni bestens versorgt.

Zur ersten Orientierung standen zunächst Unterrichts-Hospitationen in den jeweiligen Fächern bei unterschiedlichen Lehrkräften an. Dabei war festzustellen, dass die Fächer Physik, Chemie und Biologie nicht -wie bei uns üblich- getrennt unterrichtet werden, sondern im Unterrichts-Fach „Science“ gesammelt sind. Hier sind die Themen in den Klassen 3-8 häufig dieselben, werden aber mit aufsteigender Jahrgangsstufe zunehmend vertieft.

Die Unterrichtsbesuche sowie Gespräche mit den jeweiligen Lehrern zeigten schnell, dass deren Fachwissen (mit Ausnahme eines ausgebildeten Lehrers) gerade ausreichte, um am Science Schul-Buch entlang zu unterrichten. Ein fakultatives Abweichen vom Stoff bzw. ein Eingehen auf spezifische Schülerfragen war damit aber nicht möglich. Weil es also vorwiegend Lücken im Fachwissen waren, die den Unterricht behinderten, wurde in Absprache mit dem Direktor von der Aufgabe, die Science-Lehrer in der Methodik und Didaktik des Physikunterrichts auszubilden, abgewichen. Die Lehrer wurden vielmehr täglich für zwei Stunden vom Unterricht freigestellt um uns die Gelegenheit zu geben, fachliche Themen mit ihnen zu besprechen und Wissenslücken zu schließen. Eine Stunde lang wurde je zwei Lehren Physik- und den anderen beiden Chemie/Biologie-Wissen vermittelt. Danach wurden die Fächer getauscht. Es wurde intensiv gearbeitet und die Themen mit einfachen, anschaulichen Experimenten ergänzt, was aufgrund des überraschend vielfältig ausgestatteten Science-Labors ganz gut möglich war. Auch mitgebrachte Instrumentarien konnten dafür sinnvoll verwendet werden, wobei erst einmal die Anbringung von Deckenhaken in allen Klassenzimmern erforderlich war.

Im Fach Mathematik zeigten sich von den unteren bis zu den oberen Klassen überraschend gute Kenntnisse, so dass hier kaum ein Bedarf an Weiterbildung der Lehrer zu erkennen war.

Insgesamt lässt sich sagen, dass das Arbeiten mit den Lehrern in einer sehr wohlwollenden Atmosphäre stattfand, von allen Lehrern immer positiv und als fördernd aufgefasst und seitens des Direktors jederzeit unterstützt wurde. Es war eine sehr hohe Bereitschaft bei allen Beteiligten vorhanden, vorwärts zu kommen und in der Kürze des Aufenthalts greifbare Ergebnisse zu erreichen.

Rückblickend kann festgestellt werden, dass nachweislich etliche Wissensmängel beseitigt und den Lehrern damit ein fühlbarer Wissensvorsprung verschafft werden konnte. Jedoch muss man auch ganz klar zugestehen, dass ein zweistündiges tägliches Lehrertraining zwei Wochen lang nicht annähernd ein Fachstudium ersetzen kann.

Allerdings kann sich die Schule voll ausgebildete Lehrer finanziell nur bedingt leisten und wird weiterhin teilqualifizierte Kräfte einsetzen müssen. So wurde seitens Lehrer und Direktor einhellig der Wunsch geäußert, dass wir wieder kommen und diese SES-Bildungsmaßnahme fortzusetzen möchten. Zur Sicherung der Nachhaltigkeit ist dem eindeutig zuzustimmen, zumal ein Folgeeinsatz mit dem jetzt vorhandenen Wissen noch deutlich gezielter und effizienter ausfallen würde.

Die Schulung von Schultechnikern in der Wartung und Instandsetzung der vorhandenen Solar-Wasseraufbereitungsanlage wurde ausgeklammert, weil diese nicht mehr verwendet wurde und die Anschaffung einer neuen (welcher?) Anlage bereits im Gange war.

Die technische Ausbildung der Schulhandwerker in Mechanik und Klempnerei konnte sehr gut erreicht werden und zwar in Form von Ausbildung in der Reparatur undichter Wasserhähne mittels einer selbsterstellten Schnittzeichnung zur Erklärung der Funktionen sowie der anschließenden Umsetzung des Gelernten bei einer praktischen Wasserhahn-Reparatur. Leider sind jedoch die meist erforderlichen Ersatzdichtungen auch in Padum nicht erhältlich, so dass hier improvisiert werden musste.

Darüber hinaus wurde ein Werkzeugset, bestehend aus einem Gabelschlüssel-Satz, zwei Rohr- und einer Wasserpumpenzange sowie einem Schraubendreher-Set, beschafft, mit dem künftig kleinere Klempner-Reparaturen eigenständig durchgeführt werden können.

Mit der Inangriffnahme und der Überwachung der Erneuerungs-Installation einer Wasserverteilung für den Waschplatz der Internatsschüler wurde zum einen weiterer Schritt in Richtung Klempnerei Know-how geschafft und zum anderen die Situation am Waschplatz deutlich verbessert. Statt dem bisherigen einzigen Wasserschlauch über dem nackten Erdboden stehen nun wieder fünf nebeneinander fest eingemauerte Wasserhähne über einer Betonplatte für die Körperpflege der Schüler zur Verfügung.

Das Berufsbildungszentrum im Obergeschoß des ehemaligen Klostergebäudes wurde besucht und mit den Schneiderinnen wurden Gedanken ausgetauscht. Bei einer anschließenden Besichtigung der weiteren Räume im Erdgeschoß stellten wir fest, dass hier bis vor einiger Zeit Schreinerarbeiten erfolgt waren. Überall waren Hobelspäne und restliche Holzteile zu sehen. Auf Nachfrage erklärte man uns, dass man versucht hatte, eine Schreinerei unterzubringen, was sich dann aber als wirtschaftlich nicht tragfähig erwiesen hat.

Eine Verwendung der Räume zur Ausbildung von Metallberufen erscheint wenig zweckmäßig, weil das Gebäude von der Raumaufteilung ungeeignet ist. Sowohl Zu- als auch Abtransport größerer sperriger Gegenstände wäre nur bedingt möglich und auch die nicht unerhebliche Schmutz- und Lärmbelastung einer Metallwerkstatt möchte man sich darin nicht vorstellen. Darüber hinaus ist das Gebäude nicht stromversorgt.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass sich die mühevolle An- und Abreise gelohnt hat und in Anbetracht der Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit doch ein Stück Fortschritt an der Secpad-Schule erreicht werden konnte. Auch wenn es zeitweise beschwerlich war, lassen die -im wahrsten Sinne des Wortes- atemberaubende Schönheit der Gegend und vor allem die Herzlichkeit der Leute, von Jung bis Alt, die Anstrengungen schnell vergessen.“

Monika und Jakob Prechtl
Oktober 2018

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